Foto: Christa Strobl

Abtrainieren nennt sich im Fachjargon das maßvolle Zurückfahren des Trainingspensums nach jahrelangem Alltag als Extremsportler. Franz Höfer ist fast ein Vierteljahrhundert im kommunalpolitischen Hochleistungssport als Bürgermeister an den Start gegangen und kämpft jetzt mit den Tücken des Abtrainierens.

Sein Rückzug von der Spitze der Marktgemeinde war zwar gut und von langer Hand vorbereitet, wenn es dann aber so weit ist, geht’s aber doch unerwartet schnell und hinterlässt einen spürbaren Einschnitt. 1980 war er, der als Gründungsobmann des Pfarrkindergartens erstmals öffentlich in Erscheinung getreten war, in den Hitzendorfer Gemeinderat eingestiegen, hat bei nur selten weniger als 75 Arbeitsstunden pro Woche mehrere Berufe unter einen Hut gebracht, und jetzt soll er plötzlich länger als bis halb sechs Uhr in der Früh schlafen und den Tag gemächlich angehen? Ja, das soll er, und das wird er auch, mangelt es ihm doch nicht an anderweitigen Interessen und Unternehmungen, bei denen seine Erfahrung und seine hilfreiche Hand gefragt sind. Aber ein bisserl Zeit nimmt die radikale Umstellung doch in Anspruch.

Zahlen bitte!

Nach wie vor ist er dort ansässig, wo er auch aufgewachsen ist, am einst von Weingärten umgebenen „Knotzerwinzerhof“ am Höllberg hoch über dem Liebochtal. Dass der Überblick von dort aber nicht nur ein optischer ist, dafür hat der Franz selbst gesorgt und ist als Hand- und Kopfarbeiter seinen Weg gegangen. Obwohl der Betrieb nie auf Vollerwerb ausgerichtet war, hat er – damals nicht gerade üblich, „aber der Pfarrer hat mir zug’redt“ – die HBLA in Raumberg besucht und dort maturiert. Im Anschluss an den Präsenzdienst kam er erstmals mit dem Finanzamt in Berührung, nämlich als Fachmann für Bodenschätzungen, die zur Erstellung des Einheitswertes herangezogen werden. Solcherart entdeckte er eine gewisse Faszination für die Arbeit mit Zahlen, die schließlich zum Brotberuf beim Fiskus führten. Zuletzt war er als Teamleiter für die Prüfung von rund fünftausend Betrieben zuständig, ehe er sich Ende 2012 von dort in die Pension verabschiedete.

Markt(gemeinde)fahrer

Dass er sich auch am Bauernhof einbrachte und sich nie zu schade war, bei Personalnot selbst am Markt zu stehen, wird seine Frau Lisbeth („Der Hof ist ihre G’schicht!“) jederzeit bestätigen. Zugute kommt ihm dabei seine Naturverbundenheit, aber auch sein Faible für Morgen- und Abendstunden. Fast poesievoll schildert er seinen Gemütszustand, in den ihn die Vögel versetzen, wenn sie bei Sonnenaufgang zu singen beginnen, aber auch, wenn sie abends wieder verstummen. Da glaubt man dem Jagdscheinbesitzer gerne, dass er eher als Heger denn als Jäger durch die Wälder streift.

Geordnete Übergaben

Privat wie öffentlich hat Hö-fer mit Weitblick die Weichen gestellt. Mit Jahreswechsel übergibt er den Hof an seine eben in den Hafen der Ehe eingelaufene Tochter Astrid, für den Gemeinderat („Ich hab immer gesagt, das ist meine letzte Periode!“) hat er ein junges Team aufgebaut und für das Bürgermeisteramt eine attraktive und dynamische Nachfolge gefunden. Lediglich den Finanzreferenten der örtlichen Volkspartei macht der einstige Finanzer weiterhin. „Ins Tagesgeschäft misch‘ ich mich aber sicher nicht ein“, versichert er glaubwürdig, „verschließ‘ mich aber auch nicht, wenn mein Rat gefragt ist.“ Mit der ihm eigenen Selbstironie fügt Franz noch an: „Der König ist tot, es lebe die Königin!“ Schmerzhafte Nebenwirkung Die Amtsübergabe wäre auch völlig schmerzfrei über die Bühne gegangen, hätte nicht eine etwas dagegen gehabt, nämlich eine Bandscheibe in Franzens Wirbelsäule. Der damit verbundene Krankenhausaufenthalt ist vorüber, die Rehabilitation läuft auf vollen Touren. Und wie ihm von ärztlicher Seite aufgetragen, macht Franz auch brav mehrmals täglich seine gymnastischen Übungen. Denn lieber heute als morgen möchte er am Hof wieder mit anpacken, die drei Enkelkinder von seinen beiden Söhnen Franz junior und Gernot hochheben („Ich hoff’ aber schon auf weitere.“) oder auf die Pirsch gehen. Wer ihn dabei begleiten will, muss in guter Kondition sein, um mit Franz, der schon den Kilimanjaro erstiegen hat, Schritt halten zu können. Ganz so hoch will er es zwar nicht mehr angehen, aber sein nächstes Urlaubsziel Südtirol ist ja auch nicht gerade ein Flachland.

Den Baubeginn für ein neues Bad mit Gästehaus in Hitzendorf hätte Franz Höfer schon gern in seiner Funktion als Bürgermeister erlebt, aber in Zeiten, wo Behörden in Sachen Hochwasserschutz hoch(wasser)sensibilisiert sind, braucht halt alles seine Zeit.