Foto: Christa Strobl

Das Ortszentrum unserer Marktgemeinde ist ganz auf Wohlergehen ausgerichtet. Unter dem Glockenturm sorgt man sich um die Seele und nur ein Haus weiter kümmert sich Christoph Schützinger um den dazugehörigen Körper.

Die Kartei des Instituts für Physikalische Therapie umfasst mittlerweile 3.000 Patienten, jährlich gehen um die 10.000 Behandlungen vonstatten, das ergibt in den zwanzig Jahren, seit Schützinger seine beruflichen Zelte in Hitzendorf aufgeschlagen hat, die stolze Zahl von 200.000 Einheiten individueller Handarbeit mitsamt dem auch nicht zu unterschätzenden Aufwand des Her und Wegräumens der dafür benötigten Utensilien. Sein rundes Jubiläum als Unternehmer feiert der gelernte Kaufmann, dessen heilmassierende Karriere erst auf dem zweiten Bildungsweg ihren Anfang nahm, gebührend im Rahmen des bevorstehenden Marktfestes im Hof seines Instituts. Die Band ist schon bestellt, aber anstatt der sonstigen Oberflächenbehandlung mittels Massageöl kümmern sich „Schützi“ und sein Team diesmal auch um innere Bedürfnisse, also um Essen und Trinken.

Hand-Werker

Als Sohn einer alleinerziehenden, vollerwerbstätigen und auch an den Wochenenden mit Buchhaltung beschäftigten Mutter ist Christoph im Grazer Bezirk Geidorf herangewachsen.
Seine erste Anstellung als Masseur und zugleich Bademeister verschlug ihn für zwei Jahre in ein Kurhotel in Neuberg, danach werkte er wieder in der steirischen Landeshauptstadt im Therapiezentrum West. Während sie sich dort unter seinen Händen entspannte, machte die damalige Obfrau des Hitzendorfer Gesundheitsvereins ihm, der schon geraume Zeit mit der Selbstständigkeit liebäugelte, die Marktgemeinde schmackhaft.
Und schon bald eröffnete er als sein eigener Chef im Haus von Hans Spath eine kleine Praxis. Schützingers Ziel aber war der Aufbau einer privaten Krankenanstalt, da traf es sich gut, dass ihn der Zufall ins Gebharthaus führte – an dieser Stelle will er „den besten aller Vermieter”, Eleonore und Rudolf Erhart, für deren anhaltendes Entgegenkommen seinen Dank aussprechen.

Steuer-Mann

Vor genau zwanzig Jahren betrat er erstmals mit einem Zollstab den künftigen Firmensitz, nach kürzester Planungsphase wurde der Umbau in Angriff genommen. Und kaum, dass die neuen Wände standen, waren auch schon Christophs handwerkliche Fähigkeiten, die er als Typ Heimwerker auch abseits des Massagetisches besitzt, gefragt. Mangels Eigenkapital hatte er sich zuvor erfolgreich mit einer Bank in Verbindung gesetzt, die Gemeinde stellte sich mit 50.000 Schilling als Willkommensgruß ein. Und Schützi weiß die Hilfsbereitschaft seitdem zu danken – schließlich hatte er ja auch keine andere Wahl – und liefert für das Unternehmen mit vier Angestellten jährlich 2.300 Euro an Kommunalsteuern ab.
Kugelsicher
Nach sieben Jahren finanzieller Gratwanderung, bis der aufgenommene Kredit zurückbezahlt war, fiel das Durchatmen wieder leichter, sein Arbeitspensum auf vierzig Wochenstunden zu reduzieren hat er aber bis heute nicht geschafft. Dennoch ist er zufrieden und hofft, dass das Werkel noch ein paar Jahre so weiterläuft wie im Moment, Ausbaupläne oder Steigerungsraten interessieren ihn nicht, lediglich die Barrierefreiheit des Zugangs zum Institut wird 2016 ausgebaut. Sollte es mehr Freizeit ergeben, wüsste der Pendler zwischen Oberandritz und Hitzendorf schon etwas damit anzufangen, nämlich dasselbe wie jetzt schon, nur halt ausgiebiger: Badminton, Carambol, Schifahren und seit einem Jahr flippern. Letztgenanntes betreibt er in einem Verein, in dem die Mitglieder in einer Halle vollgestopft mit den Kultautomaten ihrer Nostalgie freien Lauf lassen, sogar leistungsmäßig. Bei Drucklegung dieser Zeitung warf die Weltrangliste Schützi an 1.115. Stelle aus.

Chef-Koch

Die heute 22jährige Tochter Sophie, angehende Pharmazeutin, entstammt einer dreizehnjährigen Ehe, seitdem ist Schützi keine feste Bindung mehr eingegangen. „Aber kürzlich hat mir eine gesagt, ich sei ein Frauenheld“, grinst er übers ganze Gesicht. Vielleicht liegt das daran, dass er gerne isst und ausgezeichnet kocht. Sein Mitarbeiterstab jedenfalls kann die Schmackhaftigkeit dieser Form von Sozialleistung bezeugen, kocht er doch jeden Sonntag vor und sein Team am Montag Mittag damit ein.
„Noch etwas vergessen, Herr Schützinger?“
„Ja, das Wichtigste, ich danke allen, die unsere Dienste in Anspruch nehmen, für ihre Treue und verspreche unser Bemühen, ihren Ansprüchen auch weiterhin gerecht zu werden!“